Grenzgänger bewegen sich rechtlich zwischen zwei Staaten. Viele gehen davon aus, dass automatisch das Recht des Wohnsitzlandes gilt – andere glauben, allein der Sitz des Arbeitgebers sei entscheidend. Tatsächlich ist die Rechtslage differenzierter.
Grundsätzlich gilt im Arbeitsrecht: Maßgeblich ist der Ort, an dem die Arbeit gewöhnlich ausgeübt wird. Für Grenzgänger, die täglich oder regelmäßig in die Schweiz pendeln, ist daher in vielen Fällen schweizerisches Arbeitsrecht anwendbar – selbst wenn der Wohnsitz in Deutschland liegt.
Was oft unterschätzt wird:
👉 Das schweizerische Arbeitsrecht funktioniert anders als das deutsche. Nicht schlechter. Aber deutlich freier. Und genau das kann überraschen.
🔹 Kündigungsfreiheit in der Schweiz
In der Schweiz gilt grundsätzlich Kündigungsfreiheit.
Ein Arbeitsverhältnis kann von beiden Seiten ohne Angabe von Gründen beendet werden – sofern die Kündigungsfrist eingehalten wird und kein missbräuchlicher Grund vorliegt. Was sich aus deutscher Perspektive unfair anfühlt, ist in der Schweiz häufig rechtlich zulässig.
💔 Alter, Unterhaltspflichten, lange Betriebszugehörigkeit, finanzielle Situation spielen rechtlich keine Rolle. Eine Kündigung kann rechtmässig sein, auch wenn sie menschlich hart ist.
🤰 Schwangerschaft schützt nicht automatisch. Während in Deutschland ein Kündigungsverbot in der Schwangerschaft gilt, ist in der Schweiz z.B. eine Kündigung trotz bekannter Schwangerschaft in der Probezeit rechtlich erlaubt.
Auch nach der Geburt unterscheiden sich die arbeitsrechtlichen Systeme: in der Schweiz bleibt der Arbeitsplatz für die Dauer des 14-wöchigen Mutterschaftsurlaubs erhalten. Darüber hinaus besteht jedoch kein gesetzlicher Anspruch auf unbezahlten Urlaub. Viele Arbeitgeber zeigen sich familienfreundlich – verpflichtet zur Urlaubsgewährung sind sie jedoch nicht. Alles basiert auf Vertrag und Kulanz.
⚖️ Warum dieses System trotzdem funktioniert
So klar diese Unterschiede sind:
Das Schweizer Arbeitsrecht setzt stark auf Eigenverantwortung und Pragmatismus.
✔️ weniger Bürokratie
✔️ klare Regeln
✔️ schnelle Entscheidungen
✔️ in der Praxis oft lösungsorientierte Arbeitgeber
💡 Mein Fazit für Grenzgänger
Wer die Unterschiede kennt, kann:
- bewusster entscheiden
- realistischer planen
- unangenehme Überraschungen vermeiden
Zudem können im Einzelfall vertragliche Regelungen, insbesondere Homeoffice, internationale Zuständigkeitsvorschriften und europäische bzw. bilaterale Abkommen Einfluss auf das anwendbare Arbeitsrecht haben. Pauschale Antworten greifen hier oft zu kurz.
👉 Wissen schützt. Fehlannahmen nicht.